Zinseszinseffekt einfach erklärt

Der Zinseszinseffekt ist der zentrale Baustein eines jeden Vermögensaufbaus. Nur, wenn du verstehst wie er funktioniert kannst du langfristig dein Geld für dich arbeiten lassen. Dies ist nämlich das Funktionsprinzip des Zinseszinses. Aus Geld wird mehr Geld und daraus noch mehr Geld.

Weil, der Effekt so erstaunlich ist, wurde er in der Vergangenheit auch als das achte Weltwunder, oder die größte Erfindung menschlichen Denkens bezeichnet. Das Albert Einstein dies gesagt haben sollte, ist zwar eine schöne Geschichte nach einer kurze Googlesuche wohl aber ein Märchen. Egal!

Der Zinseszins war die größte Erfindung menschlichen Denkens

Unbekannter Author – A. Einstein war es wohl doch nicht

Der Zins

Bevor wir in die Erklärung des Zinseszinses starten, zunächst ein einfaches Beispiel zum Zins. Angenommen du legst100 Euro für ein Jahr zu einem Zinssatz von 4 % an. Deine Zinszahlung beträgt dann vier Prozent von 100, also vier Euro. Dein Kapital erhöht sich damit auf 104 Euro

Kapital nach Jahr 1: 100 Euro x 1,04 = 104 Euro

Wenn die vier Euro Zinsen entnommen und verkonsumiert werden, sieht die Rechnung im zweiten Jahr wieder genauso aus. Es fallen wieder vie Euro Zinsen auf 100 Euro an. Anders sieht die Sache aus, wenn die vier Euro Zinsen auf dem fiktiven Sparkonto verbleiben.

Der Zinseszinseffekt

Wenn du die Zinsen aus dem ersten Jahr auf dem fiktiven Konto lässt, erhältst du im zweiten Jahr Zinsen auf die Zinsen, die du bereits im ersten Jahr erhalten hast. Das nennt man Zinseszinsen. Die Zinsen im zweiten Jahr würden sich dann folgendermaßen berechnen:

Kapital nach Jahr 2: 104 Euro x 1,04 = 108,16 Euro

Du hast nun also nicht 4 Euro wie im ersten Jahr verdient, sondern 16 Cent mehr, also 4,16 Euro. Der Unterschied von 16 Cent wirkt relativ klein, allerdings wird der Zinseszinseffekt mit jedem Jahr größer.

Angenommen du lässt das Geld für 20 Jahre mit einem Zinssatz von 4 % auf dem fiktiven Konto liegen. Dein Endkapital beträgt dann:

Kapital nach Jahr 20 mit Zinseszinseffekt: 100 Euro x 1,04^20 = 219,11 Euro

Obwohl die Zinszahlung nur bei 4 Prozent liegt, hat sich das Geld innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt. Zum Vergleich noch eine Rechnung, wenn du die Zinsen jedes Jahr ausgeben würdest. Dein Grundkapital liegt dann auch nach 20 Jahren bei 100 Euro und du erhälst 20 Jahre lang 4 Euro Zinsen. Das Sind 80 Euro. Das Endkapital berechnet sich dann folgendermaßen:

Kapital nach Jahr 20 mit einfachem Zins: 100 Euro + 0,04 x 100 x 20 = 180 Euro

Während sich im Fall mit Zinseszins, das Kapital um Faktor 2,19 vervielfacht hat, beträgt im Fall ohne Zinseszinseffekt der Faktor nur 1,8. Das ist der Zinseszinseffekt. Während er über kurze Zeit kaum spürbar ist, entwickelt er über große Zeiträume von 15 oder mehr Jahren eine exponentiell ansteigende Kraft.

Zinseszinseffekt mit monatlicher Besparung berechnen. Mit dem Zinseszinsrechner kannst du Zinsen einfach berechnen. Du kannst auch monatliche Sparraten eingeben.

Der Einfachheit halber wurde in den Beispielrechnungen auf die Inflation verzichtet. Du kannst die Inflation berücksichtigen, indem du die Inflation vom Zinssatz abziehst. Wenn du also z.B. von 2 % Inflation bei 6 % Zinsen ausgehst, kannst du dein Geld rechnerisch mit 4 % Verzinsen.

Wie du den Zinseszinseffekt beeinflussen kannst

Das Endkapital wird von den folgenden Faktoren beeinflusst:

  1. Der Zeit – wie lange investierst du das Geld
  2. Das Startkapital, also das Kapital, dass du schon von Anfang an hast
  3. Dem Zinssatz
  4. Dem Zeitpunkt der Zinszahlung

Zeit

Um den Faktor Zeit bestmöglich für dich zu nutzen, ist es sehr wichtig schon früh mit dem Investieren anzufangen. Wenn du bereits in deinen 20ern mit dem Investieren in einen ETF Sparplan beginnst, stehen dir bis zu deinem sechzigsten Lebensjahr fast vierzig Jahre Zeit zur Verfügung. Der lange Zeithorizont lässt den Zinseszinseffekt durch die Decke gehen, während du einfach dein Leben leben kannst. Zur Arbeit gehen, Sport machen, oder dich um die Kinder kümmern. Später wirst du, auch bei einer geringen Sparrate evon einem soliden Kapitalstock profitieren können.

Um von Zinseszinseffekt in vollem Umfang profitieren zu können sind Geduld und Disziplin von entscheidender Bedeutung. Schließlich wirkt der Effekt nur, wenn erhaltene Zinsen oder Dividenden nicht entnommen werden. Entnimmst du die Zinsen, wirkt hingegen nur der einfache Zinseffekt.

Start- oder Anfangskapital

Das Startkapital kannst du schlecht beeinflussen. Es ist einfach eine gegebene Größe im Leben, mit der du anfängst. Kümmere dich um die anderen beiden.

Zinssatz

Der Zinssatz ist beim Investieren an das Risiko gekoppelt. Wenn du bereit bist ein höheres Risiko einzugehen, und damit kurzfristige Verluste in Kauf nehmen kannst, wirst du langfristig durch einen höheren Zinssatz belohnt.

Die Häufigkeit der Zinszahlung

Ein weiterer Faktor, der das Endkapital beeinflusst, ist die Häufigkeit der Zinszahlung. Je häufiger ein Zins gezahlt wird, desto schneller greift der Zinseszinseffekt beim Reinvestieren.In dem obigen Beispiel wurden 100 Euro mit einem jährlichen Zinssatz von 4 % verzinst. Die Zinsausschüttung fand dabei zum Jahresende statt. Wie verändert sich nun die Rechnung, wenn der Zins zu einem Viertel jedes Quartal bezahlt wird?

Zins pro Quartal = 4 % : 4 = 1 %

Um den effektiven Zinssatz für das komplette Jahr zu berechnen, musst du die quartalsweisen Zinssätze miteinander multiplizieren. Das ganze funktioniert also genauso wie bei einer Verzinsung von 1 % Zinsen über 4 Jahre.

Quartalsweise Zinsen: Effektivzins = 1,01 ^4 = 1,0406 ⇒ 4,06 %

Der effektive jährliche Zins, ist durch die quartalsweise Auszahlung also um 0,06 % gestiegen.

Wenn wir die Rechnung nun noch für eine monatliche Zinszahlung durchführen erhalten wir:

Monatliche Zinsen: Effektivzins = 1,0033^12 = 1,0407 ⇒ 4,07 %

Der effektive Zins oder Effektivzins

Eine kürzere Zinszahlung ist für dich als Anleger von Vorteil. Je häufiger der Zins ausbezahlt wird, desto größer wird der effektive Jahreszins. Desto stärker kannst du als Anleger auch vom Zinseszinseffekt profitieren.

Wenn du stattdessen Schulden hast verhält es sich genau umgekehrt. Daher ist es bei einem Darlehen – sei es für einen privaten Kredit oder eine Baufinanzierung – auch wichtig immer die Effektivzinsen miteinander vergleichen. Die auf der Webseite Konto-Kredit-Vergleich.de eingesetzten Vergleichsrechner berücksichtigen daher auch immer den effektiven Jahreszinssatz. Einen Vergleichsrechner für einen Privatkredit findest du hier. Ein Baufinanzierungsrechner ist hier verlinkt.

Der Zinseszinseffekt: Zusammenfassung

Der Zinseszinseffekt ist ein starker Muskel deiner Geldanlage mit starken Auswirkungen bei großen Zeiträumen von 15 Jahren oder mehr. Wenn du Zinszahlungen oder Aktiendividenden reinvestiert, kannst du schneller Vermögen anhäufen, da der Zinseszinseffekt dir hilft.

Natürlich läuft der Zinseszinseffekt als Schuldner gegen dich. Vermeide daher die Aufnahme von unnötigen Krediten und achte beim Kreditvergleich auf dies ausgewiesenen Effektivzinsen. So kannst du teure Kostenfallen vermeiden.

Da der Zinseszinseffekt 15 Jahre oder mehr braucht (je nach Zinssatz) um richtig zu wirken, solltest du so früh wie möglich mit dem Investieren anfangen. Falls du den Anfang noch nicht gemacht hast, aber schon älter bist, habe ich noch eine gute Nachricht für dich: Den zweitbesten Tag anzufangen hast du noch nicht verpasst. Er ist heute! Wenn du bereit bist, eröffne ein günstiges Depot und fange mit einem Weltaktienindex als Erstinvestment an. Zu kompliziert? Dann lass einen Robo-Advisor deine erste Finanzanlage managen.

Anschließend verlinke ich noch zu einem Video von Thomas von Finanzfluss. Hier ist das Thema Zinseszinseffekt ebenfalls sehr anschaulich erklärt. Wenn du den Beitrag gelesen hast, brauchst du das Video nicht anschauen, es ist vom Inhalt vergleichbar!

Tirelbild von Augusto Ordonez auf Pixabay

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