Verhalten im Finanzcrash – Coronavirus

Corona Auswirkungen

Das Coronavirus ist für viele eine furchteinflößende Sache. Hamsterkäufe in den Supermärkten insbesondere bei Konserven, Spaghetti, Reis & Co. verdeutlichen wie verängstigt viele sind. Auch für viele Anleger ist die Frage relevant, ob das Coronavirus den nächsten Finanzcrash bringt. Immerhin haben die Börsen Ende März 2020 über 30 % an Wert verloren. Hier erfährst du wie du dich in einem Finanzcrash verhalten solltest.

Keine voreiligen Aktionen – Die Krise aussitzen

Die letzten fünf Wochen waren an den Börsen kein Vergnügen: Der deutsche Dax als auch der Weltindex Msci World verloren beide über 30 Prozent an Wert. Allerdings rät Konto-Kredit-Vergleich.de ohnehin mit einem langfristigen Anlagehorizont zu investieren. Und dabei stellt sich dann unweigerlich die Frage, weshalb es einen langfristigen Anleger interessieren sollte, was kurzfristig an den Börsen passiert. Geld, dass du kurzfristig benötigst, solltest du nicht Aktien oder ETFs investieren. Das ständige Rauschen an den Börsen sollten langfristig orientierte Anleger einfach aussitzen.

Passive Investoren sollten während der Krise: Passiv bleiben, Sparpläne laufen lassen. Wie wir in einem anderen Post erörtert haben, ist das sture Festhalten an der Anlagestrategie auch in Krisenzeiten ein wesentlicher Vorteil, den Privatinvestoren gegenüber den Profis haben. Jetzt ist die Chance gekommen diesen Vorteil auszuschöpfen! Mache weiter mit deinen Sparplänen!

Wenn du dich gut damit fühlst, besteht nun die Chance dir den Ausverkauf an den Börsen überproportional zunutze zu machen. Ob, die Börsen weiter fallen, weiß ich leider auch nicht. Fakt ist aber, dass du deine ETFs nun mit 30 % Rabatt im Vergleich zu Mitte Februar aufstocken kannst.

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Durch die Krise Chancen nutzen

Die Finanzkrise bietet auch Chancen für Anleger. Branchen wie Tourismus oder auch die Reisebranche wurden von der Epidemie stark getroffen, da Leute einfach viel weniger Reisen. Zahlreiche Firmen haben Reisesperren verhängt. Mittlerweile ist in Deutschland in vielen Landkreisen Ausgangssperre. Es ist davon auszugehen, dass auch nach dem Aufheben der Sperren die Leute weniger Reisen, da es Ihnen nicht wohl ist bei dem Gedanken ist. Großevents werden zurzeit gerade weltweit abgesagt. In der Folge brechen die Gewinne von Fluglinien und Kreuzfahrtreiseveranstaltern weg. Torsten vom Aktienfinder hat hierzu eine verständliche Analyse geschrieben.

Es ist davon auszugehen, dass Tech-Aktien gut durch den Börsencrash kommen. Dafür gibt es plausible Gründe: Die Unternehmen im Bereich Software und Internet sind weniger stark Coronakrise betroffen. Sie können sogar davon profitieren, weil Leute eher dazu neigen, sich Sachen nach Hause zu bestellen und Lieferdienste zu benutzen. Während der stationäre Handel die Läden schließen muss, boomt Amazons Onlinehandel. Der Konzern stellt mitten in der Coronakrise 100.000 Mitarbeiter neu ein. Ein solides Geschäftsmodell, dass auch in Krisenzeiten für möglichst zuverlässig steigende Gewinne sorgt, ist Garant für weiteres Wachstum, von dem Risiko-affine Anleger jetzt profitieren können, wenn sie sich trauen zu kaufen!

Crashpropheten – Häufig verleiten sie zu falschem Verhalten im Finanzcrash

Einige Crashpropheten wie z. B. „Dr. Crash Krall“ haben für 2020 einen Finanzcrash vorhergesagt. Vereinfacht gesagt, begründet er seine Theorie damit, dass durch die Masse an billigem Geld Firmen am Leben erhalten werden, die nicht erhaltenswert sind, da sie nicht richtig wirtschaften können. Andere Crashpropheten sagten 2019 einen Crash voraus. Anleger, die Ihnen gefolgt sind, konnten den historisch einmaligen Run in 2019 nicht mitmachen und blieben auf der Seitenlinie zurück. Ihnen zu folgen war also falsch und es wird auch in Zukunft falsch sein, da Finanzmärkte einfach zu komplex sind um auch nur halbwegs belastbare Aussagen zu treffen.

Wer sollte sich überhaupt Gedanken machen?

Es ist für jeden sinnvoll sich ein paar Gedanken zu den aktuellen Vorkommnissen und generell zum Geschehen an den Börsen zu machen. Immerhin bietet die Korrektur am Aktienmarkt immer auch Chancen. Indem man seine Finanzen ordnet, kann man diese Chancen für sich nutzen. Dafür ist es zunächst wichtig, nicht zu 100 % investiert zu sein, sondern immer auch über liquide Mittel zu verfügen, um handlungsfähig zu bleiben.

Liquide Mittel – Immer vorhalten

Liquide Mittel solltest du immer in ausreichender Höhe vorhalten. Als Notfall-Polster halte ich wenigen Monatsnettogehälter für sinnvoll. Tagesgelder sind EU-weit dabei prinzipiell bis mindestens 100.000 Euro über den Einlagensicherungsfonds geschützt. Das Halten von Geld in Fremdwährungen halte ich nicht für sinnvoll, da ich den Einlagensicherungsfonds als ausreichenden Schutz betrachte. Zudem bringt ein Fremdwährungskonto viele Nachteile mit sich. Die wesentlichen sind das Fremdwährungsrisiko, die Wechselgebühren und die aufwendige Deklaration bei der Steuererklärung. Für dein Notfall-Polster findest du im Tagesgeldrechner einige gute Tagesgeldkonten.

Silber, Gold oder sonstige Edelmetalle zur Absicherung?

Viele schwören auf Gold oder Silber (⇾ billiger!) zur Absicherung bei Börsenzusammenbrüchen. Ich halte das nur begrenzt für sinnvoll, da Edelmetalle im Gegensatz zu Unternehmen keinen echten Mehrwert schaffen. Ihr Wert leitet sich alleine davon ab, dass sie selten sind.

Allerdings muss man auch sagen, dass die Gefahr, dass Gold und Silber konfisziert werden, ziemlich gering sein dürfte. Wenn man das Edelmetall physisch in einem Bankschließfach lagert, zählt es nicht zur Konkursmasse, wenn die Bank über den Jordan geht. Allerdings lohnt sich das bei kleinen Beträgen nicht, denn ein Bankschließfach verursacht auch Kosten in Höhe von 70 bis 80 Euro jährlich.

Wie gesagt halte ich es aufgrund der nicht vorhandenen Wertschöpfungskraft jedoch nicht für sinnvoll einen erheblichen Anteil von Rohstoffen im Portfolio oder Bankschließfach zu halten. Wer sich damit wohler fühlt, kann jedoch kleine Beträge (bis max. 10 % des Portfolios) in Gold oder Silber vorhalten. Hierzu gibt es übrigens auch ein passendes Pantoffel-Portfolio (⇾ Rohstoff-Pantoffel).

Aktien in der Krise zu meiden ist nicht schlau

Auch im Finanzcrash brauchen Menschen Produkte. Manche werden sogar in Krisenzeiten deutlich stärker nachgefragt. Leere Konservenregale im Supermarkt zeugen davon. Zudem dürfte auch mehr geraucht und getrunken werden. Daher spricht man auch von nicht zyklischen Konsumgütern. Zyklische Konsumgüter hingegen werden in Zeiten einer Krise deutlich schwächer nachgefragt. Dazu zählen z.B. große Investitionsgüter, deren Kauf einfach verschoben werden kann. Autos beispielsweise. Wer in China in Quarantäne ist, denkt nicht über einen Autokauf nach. Daher sind laut Statista die Autoverkäufe in China im Februar 2020 auch um 92 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zurückgegangen.

Verhalten im Finanzcrash: Wer kauft schon Autos in Krisenzeiten?  Autoverkäufe in China sind aufgrund des Coronavirus im Februar 2020 stark eingebrochen (92 %). Dies erscheint logisch, denn jemand der in China in Quarantäne ist, denkt nicht über einen Autokauf nach. Quelle: Statista
Autoverkäufe in China sind aufgrund des Coronavirus im Februar 2020 stark eingebrochen (92 %). Dies erscheint logisch, denn jemand der in China in Quarantäne ist, denkt nicht über einen Autokauf nach. Quelle: Statista

Verhalten im Finanzcrash: Einzelaktien

Wer bis jetzt Halter von mehreren Einzelaktien ist, muss da auch in der Krise nicht aufgeben. Nach wie vor, ist es dabei wichtig, auf Qualität und Wachstum zu achten. Dies ist beim langfristigen Investieren immer wichtig, ob nun Coronakrise oder nicht. Aktien gelten als Sondervermögen. Das bedeutet, dass sie im Falle einer Bankeninsolvenz nach wie vor dem Anleger gehören und nicht als Konkursmasse mit verwertet werden.

Dies gilt ebenfalls im Falle des Euro Zusammenbruchs. Die Wertpapiere behalten Ihren Wert. Wenn es den Euro tatsächlich nicht mehr geben sollten, werden die Firmenanteile eben in eine andere Währung umgeschrieben. Kein Grund zur Panik.

Verhalten im Finanzcrash: ETFs und Sparpläne

Breit gestreute Aktien-ETFs würde ich einfach weiter laufen lassen. Langfristig aufgebaute und besparte Portfolios profitieren zudem vom Dollar-Cost-Average-Effekt. Gegebenenfalls enthalten große Indizes auch einige Zombie-Firmen, die bei einem Crash Hops gehen. Allerdings sollte dieser Effekt durch die Breite des ETFs weg diversifiziert werden.

Hohe Cashreserven vorhalten, falls es zum Crash kommt

Häufig liest oder hört man von dem Tipp, höhere Cash-Reserven vor dem Crash anzusparen und dann im Falle eines Falles günstig nachkaufen zu können. So könnte man zum Beispiel nur die Hälfte des Kapitals investieren und die andere Hälfte als Cashreserve vorhalten. Falls es zu einem Zusammenbruch am Aktienmarkt kommt, könnte man die zweite Hälfte investieren. Falls es nicht dazu kommt, hat man wenigstens mit der Hälfte des Kapitals Dividenden erhalten.

Das liest sich nun sehr einfach, ist in der Praxis aber nur schwer umsetzbar. Unter anderem deshalb, da es aufgrund der großen Panik durch Medien, Freunde und vielleicht auch angekündigte Kurzarbeit am Arbeitsplatz emotional sehr schwierig ist nun wo alles in Scherben liegt sein restliches Geld zu investieren. Daher würde ich dem Rat von Warren Buffet folgen, und auch in Zeiten, wenn sich eine Krise anzubahnen scheint, keine allzu großen Cash Reserven anhäufen.

Ist die Krise schon fast vorüber?

Die Anzahl der Neuinfektionen ist weiterhin stark ansteigend. In Deutschland haben wir mittlerweile die 100.000er Marke überschritten. (Quelle).

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In Deutschland gibt es laut dem RKI am 05.04. über 91.714 bestätigte Fälle. Das Gute: In Deutschland hat die Anzahl der Neuinfektionen ein Plateau erreicht. Das Weitere Wachstum scheint nun linear zu verlaufen. Hierzulande zeigen die Quarantäne Maßnahmen wohl erste Wirkungen.

Da wir jetzt alle zu Hause bleiben müssen, und mittlerweile auch die nötige Disziplin an den Tag legen, bin ich positiv, dass wir diese Krise bald meistern werden.Jeder Einzelne muss hier seiner Verantwortung nachkommen, und das Thema mit der Notwendigen Ernsthaftigkeit betrachten.

COVID-19-Fälle/100.000 Einwohner COVID-19-Fälle/Tag & COVID-19-Fälle/Bundesland. Die Anzahl der täglichen Neuinfektionen ist rückläufig.
COVID-19-Fälle/100.000 Einwohner COVID-19-Fälle/Tag & COVID-19-Fälle/Bundesland. Die Anzahl der täglichen Neuinfektionen ist rückläufig.

Weitere Hoffnung: Drei Krankenhäuser in Deutschland nehmen nun an Studien mit dem Wirkstoff Remdesivir teil. Die Düsseldorfer Uni-Klinik (UKD) setzt nun das Medikament laut eigener Mitteilung bereits in einigen Einzelfällen bereits ein. Das Medikament wurde ursprünglich gegen Ebola entwickelt und muss nun noch auf diverse Studienergebnisse warten, um am Markt großflächig einsatzbereit zu sein. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht also. Sollte das Medikament die Zulassung tatsächlich bekommen, dürfte es nicht lange dauern, bis wir wieder zu unserem normalen Leben zurückkehren können und die Krise beendet sein wird.

Fazit zum Verhalten im Finanzcrash

Ein gutes Verhalten im Finanzcrash wäre aus meiner Sicht fast alles wie gehabt zu machen. Zumindest, wenn du in breit streuende ETFs investiert. Wer auch als ETF Sparer etwas von der günstigen Gelegenheit profitieren möchte, erhöht seinen Sparplan. Die vorhandenen ETFs und Aktien ab und zu mal zu überprüfen schadet natürlich nicht.

Wer mehr Risiko vertragen kann, nutzt Finanzkrisen für das günstige Nachkaufen von Qualitätsaktien mit guten Fundamentaldaten. Verrückt machen sollte man sich von einer Krise allerdings niemals. Meistens fängt es langsam an wieder besser zu werden, wenn die Ausblicke am schwärzesten sind.

Titelbild: Eigene Zusammenstellung; Hintergrundbild von mohamed Hassan auf Pixabay; Grafiken: JustETF.com;

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